Definition „Bulimie“ /  „Bulimia nervosa“

Bulimie leitet sich aus den griechischen Wörtern „bous“= Ochse/Stier und „limos“= Hunger ab und bedeutet daher „Stierhunger“, sinngemäß „Heißhunger“. Dieses Symptom stellt ein zentrales Erkennungsmerkmal der Erkrankung dar. „Nervosa“ bedeutet „seelisch bedingt“ und deutet auf die Ursachen der Essstörung hin. Gängige Definitionen in der Bevölkerung sind auch „Ess-/Brechsucht“ oder „Fress-/Kotzsucht“ (häufig von den Betroffenen selbst verwendeter Begriff, da er drastischer und somit zutreffender erscheint). Allerdings ist das selbst herbeigeführte Erbrechen nur eine von mehreren verwendeten Maßnahmen zur Gewichtskontrolle.
Bulimie ist nur eine Form unterschiedlicher bekannter Essstörungen, die oft nicht exakt voneinander abgrenzbar sind. Es gibt fließende Übergänge zu Magersucht /Anorexia nervosa und Esssucht ohne Erbrechen / Binge eating disorder.
Allen gemein ist, dass der Alltag der Betroffenen zwanghaft vom Thema Essen bestimmt ist. 

Allgemeine Informationen

0,5 bis 1,0% bzw. 1,0 bis 3,0% aller Mädchen und jungen Frauen leiden an Anorexia / Anorexie bzw. Bulimia nervosa /Bulimie. Das sind unter den 15- bis 29-Jährigen in Österreich etwa 7.400 Patientinnen mit Anorexie und mehr als 20.000 mit Bulimie. Die Dunkelziffer ist sehr hoch.
(Quelle: Österreichische Apothekerkammer: www.apotheker.or.at )

Von der Bulimia nervosa sind überwiegend (zu 90-95 %) Frauen betroffen. Die meisten sind normalgewichtig (= äußerlich unauffällig). Berufsgruppen, bei denen geringes Körpergewicht für das Ausüben des Berufs verlangt oder vorteilhaft sind (z. B. Fotomodell, Tänzer, Skispringer), sind für diese Krankheit besonders anfällig.

Eine genaue Einschätzung des Vorkommens der Bulimie bei Männern kann derzeit noch nicht erfolgen, da es zu wenige aussagekräftige Studien bzw. Statistiken zu diesem Thema gibt. Generell wird aber beobachtet, dass auch hier die Anzahl der Betroffenen stetig steigt. Allerdings haben Männer nach wie vor eine höhere Hemmschwelle über seelische Probleme zu sprechen und professionelle Hilfe anzunehmen. Den vorliegenden Forschungsergebnissen, die größtenteils aus den USA stammen zufolge, unterscheidet den männlichen Bulimiker in seinem Essverhalten und seiner Persönlichkeit wenig von der weiblichen Betroffenen.

Zur Krankheit / Sucht - Bulimie

Bulimie ist eine Krankheit die sich in dein Leben einschleicht. Anfangs eine „Anlass bezogene Ausnahmeerscheinung“ wird das Erbrechen bald schon eine „gelegentliche Ausweichmöglichkeit“, anschließend eine „schlechte Angewohnheit“ und ehe man sich versieht wird man es nicht mehr los und steckt mitten in einer ausgewachsenen Sucht.
Bulimie bedeutet vor allem Widerspruch und Gegensatz: Essen – Erbrechen, voll – leer, Druck – Entspannung. Die Betroffenen leiden deswegen unter größten Schuldgefühlen. Die Krankheit spielt sich im Verborgenen ab, sie ist das kleine, schmutzige Geheimnis, das niemand wissen darf, für das man sich schämt, vor dem man sich ekelt, wie man sich auch vor sich selbst ekelt.
Jede/r Betroffene hat seine/ihre eigene, ganz persönliche Geschichte, die nicht mit einer anderen vergleichbar ist. Allein die Symptome ähneln einander stark und ein Einblick kann Außenstehenden, aber auch Gefährdeten und Betroffenen dabei helfen den Zeichen gegenüber aufmerksamer, gleichsam sensibilisiert, zu werden.
Besonders in einer Lebensphase, in der man versucht herauszufinden, was „normal“, welcher Weg der Richtige, wer man selbst überhaupt ist, werden Jugendliche häufig mit ihren Gedanken, Ängsten und Unsicherheiten allein gelassen. Sie entwickeln ihre eigenen Strukturen und Muster, die ihnen Halt und das Gefühl von Kontrolle im Chaos geben, das sie umgibt.
Die Probleme von Jugendlichen ernst zu nehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und Lösungswege aufzuzeigen sind erklärte Ziele der Arbeit rund um das Projekt „Zum Kotzen“.

Sigrid Tschiedl